41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

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Im Wochenthema wird jede Woche ein bestimmtes Thema besprochen.
sahara
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41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

Beitrag von sahara » Montag 9. Oktober 2017, 12:04

Hallo alle zusammen, die neue Woche hat begonnen. Der Herbst macht sich breit. Es ist die Zeit vor der großen Dunkelheit. Wenig Sonne und es geht auf die christlichen Feiertage zu. Weihnachten und Silvester als Abschluss des Jahres. Davor stehen noch andere Tage. Geburtstage, Todestage....und andere sehr persönliche Daten

Wie geht ihr mit solchen Daten um? Wie schaff ihr euch eure eigenen Inseln ?
Viele haben keine Kontakte zur Primärfamilie mehr. Was kann helfen, sich selbst jetzt mit seiner Familie, Freunden oder auch alleine die Zeit zu gestalten?
Wie kann man schwierige emotional beladene Daten besser "überstehen"

Wie immer lade ich euch ein auf eine Gedankenreise zu diesem Thema. Alle Mitglieder und Gäste sind herzlich willkommen.

LG Sahara
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

Melange
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Re: 41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

Beitrag von Melange » Dienstag 10. Oktober 2017, 09:52

Danke für das Thema!!!

Ich selber hab ich immer noch keinen passenden Umgang damit gefunden.
Und stürz da regelmäßig ab.

Daher bin ich gespannt, wie andere das (besser) machen...

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Edam
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Re: 41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

Beitrag von Edam » Dienstag 10. Oktober 2017, 10:15

Geht mir nicht anderes, an so Tagen fühle ich mich besonders einsam und schlecht...da hilft entweder nur aushalten und durchstehen oder sich selbst was gutes tun.(wenn man dazu in der Lage ist, zumindest ein Versuch wert)
...out of order...

sahara
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Re: 41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

Beitrag von sahara » Dienstag 10. Oktober 2017, 15:36

Ich finde das Thema passt. An Aktualität verliert es nicht. Das ganze Jahr werden wir konfrontiert mit solchen Dingen wie Geburtstagen, Familienfeiern und den Feiertagen.
Andere "normale" Familien sitzen zusammen, es werden Geschenke ausgetauscht, Familienanekdoten erzählt usw....
Bei uns fehlt so etwas. Ein Teil der Familie meines Mannes existiert ja noch. Die Schwiegermutter und die Tante sind gestorben, seine Schwestern leben entfernt mit eigener Familie. So sind die Feiern entsprechend anders.
Meine Seite ist völlig weg. Sie existieren auf dem Papier,in Akten und in Telefonbüchern. Und in meinem Kopf. Leider....
Mein Geburtstag naht, Edam schrieb ähnliches. Es ist kompliziert. Ich denke immer wieder , wie hätte es sein können, wenn nicht alles ans Tageslicht gekommen wäre. Aber so ist es nun mal.
Weihnachten sitzen wir zu viert, wenn wir Glück haben und mein Sohn nicht arbeiten muss. Ich habe eine eigene Familie, für die ich dankbar sein muss und mich glücklich fühlen müsste. Bin ich aber nicht. Das tut mir leid für meinen Mann und die Kinder. Sie geben sich große Mühe und sind alle sehr lieb. In mir ist an diesen Tagen viel Traurigkeit und auch Wut. Wut auf das was damals geschehen ist.
Gerade die Feiertage sind schwierig, oft Tage vorher setzt eine innere Unruhe und Panik ein. Ich versuche nach innen zu geben , dass alles gut ist. Niemand muss mehr Angst haben, niemand wird gequält . Aber sie ist da, die Angst....
In der Regel stelle ich auf Funktion um. Alles nach Plan erledigen, das tun, was die Familie erwartet und eine schöne Feier schaffen. Ohne Emotion und ohne, dass ich meine Familie zu sehr mit mir stresse. Ich bezahle mit absoluter Erschöpfung danach. Depression und Schlafstörungen ....
Also eigentlich nicht optimal für mich und mein eigenes System.
In der Beratung bei Wildwasser haben wir mal eine Colage erstellt. Zu jedem Buchstaben ein positiv belegtes Wort gefunden und gestaltet.
Also z.B. Weihnachten
W---weiß, Würstchen,...
E ----
I
H
N
A
C
H
T
E
N

Und dann geschaut, was da schön wäre und was man für sich an etwas gutem tun kann.
Es muss nicht alles toll sein, sagte die Beraterin. Es kann auch traurig sein . Das Gefühl darf auch seinen Platz finden und begrenzt gelebt sein.
Die Erwachsenen dürfen sich etwas aussuchen und die Kleinen auch. Ein Gericht zum Beispiel oder einen Kinderteller mit Süßigkeiten.
Für den Verlust der Familie oder auch einzelner Mitglieder und Freunde, die verstorben sind, kann man am Weihnachtsbaum einen Ast entfernen. Der wird extra geschmückt. So als eine Art Trauerritual. Der Verlust der Familie und der Freunde , der ist ja real. So gibt man dem Raum, sieht aber in dem anderen Teil des Baumes etwas schönes . trotz allem....

Geburtstage sind schwierig, Geburtstage der Erzeuger, der Geschwister oder anderen früher wichtigen Personen lösen schnell angetriggert an früher ganze Kaskaden von unangenehmen Dingen aus. Das erfordert für mich immer viel Arbeit. Beim Geburtstag der Mutter letztens hat eine Kleine ein Bild für sie gemalt. Es war schwer, sie begreift nicht ,noch nicht, warum das jetzt so komisch ist und die Mama nicht mehr kommt. In der Klinik wurde gesagt, dass es ok ist, die Erwachsenen aber entscheiden.
Mein eigener Geburtstag ist ähnlich wie Weihnachten, schwierig
Dieses Jahr gehen wir zu einer Vorstellung von Cirque de Soleis . Darauf freue ich mich. Meistens planen wir vorher den Tag. Das ist besser und bietet Struktur.
Feiern mit Freunden ist eine Aufgabe. Die letzten Jahre war es mir wichtig mit den Kindern essen zu gehen. Gute Gefühle stellen sich selten ein. Ich freue mich im Außen, damit sie nicht enttäuscht sind. Jetzt ist doch alles gut, heißt es von Freunden oder auch mein Sohn möchte das so hören. Ist es ja auch. Real gesehen. Aber eben nicht mit komplexer PtBs.
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Re: 41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

Beitrag von sternenstaub » Donnerstag 12. Oktober 2017, 06:34

wir haben wohl für solche tage nebelwerfer im kopf, leider gibt es recht viele davon. feiertage umfasst es alle und besonders die zeit von september bis april. ab uns zu setzen wir aus dem nebel sehr unsanft auf, entweder in der realität, auch heute gibt es noch viel mist in unserem leben, oft auch in der vergangenheit. nur das wird erst hinterher klar, in dem moment ist es jetzt. werden wohl dissoziationen sein. im sommer geht es meist besser.

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fauna
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Re: 41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

Beitrag von fauna » Sonntag 15. Oktober 2017, 09:16

Feiertage sind mittlerweile und schon lange sehr schön für mich.
Früher waren sie schrecklich, jetzt geniesse ich sie oder organisiere sie so, dass ich möglichst wenig Unschönes erleben muss.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

Vertrauen ist eine Entscheidung!

Ich bin ich - und ich mag mich! :)

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Re: 41// Umgang mit Feiertagen und schwierigen Daten

Beitrag von Tafel » Sonntag 15. Oktober 2017, 09:29

Was ich definitiv gut geschafft habe, ist Weihnachten und Ostern zu schönen Tagen innerhalb meiner Familie werden zu lassen. Ich feiere tatsächlich gerne Weihnachten mit meinen Kindern. Früher habe ich den Baum geschmückt, mittlerweile übernehmen das häufig meine Kinder. Wir überlegen vorher gemeinsam, was es zu essen gibt, wer das Einkaufen für die Feiertage übernehmen kann, wann die Kinder bei mir sind und wann bei ihrem Vater. Ich empfinde Weihanchten wesentlich weniger stressig als das in meiner Herkunftsfamilie der Fall war. Mein Fokus ist dabei, dass es uns möglichst gut geht und wir eine entspannte Zeit miteinander haben. Es gibt trotzdem nicht den Zwang zu Frieden und Harmonie, weil ja Weihnachten ist. Bisher funktioniert es ganz gut. Ich habe den Eindruck, dass meine Kinder auch ganz gerne mit mir Weihnachten feiern. Wenn das irgendwann wegfällt, weil sie ihre eigenen Wege gehen, wird es wohl schwer werden, ein für mich passendes Ritual zu finden. Vielleicht fahre ich dann in den Wald, schmücke dort einen Baum mit für die Waldtiere essbaren Dingen, und nehme mir eine Thermoskanne mit Tee und Lebkuchen als Proviant mit.

Sehr schwierig ist mein Geburtstag, den ich in den letzten Jahren auch nicht mehr richtig gefeiert habe. Da hängt ganz viel Mangel an Selbstwert dran. Im Augenblick sorgen meine Kinder dafür, dass es Geschenke und einen Geburtstagskuchen gibt. Auch da weiß ich noch nicht, wie das werden wird, wenn alle drei aus dem Haus sind. Die mutige, positive Erwachsene kann sich vorstellen, für den Tag besondere Erlebnisse zu planen, eine kleine Reise, einen Ausstellungsbesuch, einen Tag am Wasser etc., aber es ist für mich schwierig, wenn ich schöne Dinge nicht mit anderen Teilen kann. Ich weiß gerade nicht, ob dass auch wieder mit meinem Mangel an Selbstwert zusammenhängt.

Dadurch, dass ich meine Sozialkontakte ziemlich abgebaut habe, ist Silvester mittlerweile sehr einsam. Die Freunde, mit denen ich früher zusammen gefeiert habe, feiern meistens mit dem Ex. Ich schaffe es auch nicht, mich darum zu kümmern, nach Alternativen zu suchen. Das letzte Silvester war immerhin nicht mehr ganz so schlimm.

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