Struktur #27/2017

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Im Wochenthema wird jede Woche ein bestimmtes Thema besprochen.
Pitti
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Struktur #27/2017

Beitrag von Pitti » Montag 3. Juli 2017, 11:07

Ich starte mal ein neues Thema, auch wenn ich wegen der Öffentlichkeit in meinem Tagebuch dazu schreiben werde.

Wie sieht es mit eurer Struktur aus?
Habt ihr noch Struktur?
Seit ihr euch eurer Struktur bewusst?
Schafft ihr euch Struktur?
Ist es schon gelungen?
Übt ihr noch oder wieder?

Es ist ein wichtiges Thema, denn ohne geeignete Struktur gibt es keine Veränderung. Das hängt eng zusammen. Der Verlust von Struktur ist ein schwieriges Thema bei psychischer Krankheit. Es fängt damit an, dass man morgens nicht aufstehen muss, weil die Berufstätigkeit fehlt und dass man nicht Aufstehen kann, wegen des Morgentiefs. Und schon ist das Dilemma da.

Was sind eure Gedanken dazu?
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Trazor
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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von Trazor » Montag 3. Juli 2017, 17:00

Hallo,
Schweres Thema für mich aber ich fange mal an. Seit mein Studium weggefallen ist (vor etwa 2 Jahren) fällt es mir immer schwerer Struktur aufrechtzuerhalten. Meine Zeit einzuteilen habe ich in der Ergotherapie versucht, habe mir regelmäßig wochenpläne erstellt die immer wieder an meinem Antrieb meiner Kraftlosigkeit etc gescheitert sind. Mittlerweile habe ich die Wochenpläne aufgegeben, da sie bei mir eher für noch mehr Frustration, Resignation und Wut auf mich gesorgt haben. Zur zeit fällt mir alles schwer, ich schlafe 12-16 Stunden täglich weil ich keinen Sinn mehr im Wachsein erlebe. Meine Wohnung sieht schlimm aus. Ich habe probleme mich zu pflegen, regelmäßig zu essen, zu kochen, die wohnung zu verlassen.. ich weiß nicht wie das weiter geht.

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fauna
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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von fauna » Montag 3. Juli 2017, 20:32

Meine Arbeit in der Schule gibt mir Struktur, auch die Hausarbeit. Ich koche regelmässig für uns, kaufe ein, erledige die Wäsche etc. *schmunzel* - ich mache regelmässig einen Menüplan für die Woche und schreibe dafür den Einkaufszettel. Auch meine Einkaufszeiten sind ziemlich rhythmisiert, nicht stur, aber so dass es für mich vereinfachend ist.
In der Zeit ganz ohne Lohnarbeit war es wirklich sehr viel schwieriger. Auch meine Lohnarbeit strukturiere ich: regelmässige Besprechungen etc. Ich mache mir to-do-Listen. Auch die helfen mir sehr. Sie machen überhaupt keinen Druck, denn ich freue mich einfach über jede Smiley, den ich mir zu den erledigten Arbeiten zeichne.

Seit ich an der Schlafstudie der Uni Bern mitgemacht habe, habe ich auch klare Bettgeh- und Aufstehzeiten (in der Regel halt und innerhalb eines Zeitfensters von rund 30 min). Auch das hilft mir, innerlich ausgeglichen zu sein.

Yoga gibt mir auch eine Regelmässigkeit. Dabei treffe ich auch regelmässig Menschen. Das ist für mich im Moment noch mein Hauptproblem: Beziehungen zu pflegen. Strukturen würden das vereinfachen: ein Club oder Verein. Ich bin in einer Biographiegruppe. Leider treffen wir uns nur vier Mal im Jahr. Die Improtheatergruppe habe ich aufgeben. Es war mir nicht wohl. Gerne würde ich in einer anderen Gruppe spielen - auch wieder regelmässig.

Früher habe ich mir auch eine Struktur für administrative Arbeiten gebeben: immer montags um 8 Uhr wurde das erledigt. Das hat sich aber verlaufen.

Vielleicht liest es sich seltsam, aber mein Mann und ich spielen auch regelmässig ein Würfelspiel miteinander. Es ist ein Ritual. :D (Leider gewinn ich noch viel zu wenig... hihi).
Mit ihm zusammen habe ich noch mehr Rituale und Regelmässigkeiten: Bewegen am Wochenende, meistens am Sonntag, manchmal auch am Freitag- oder Samstagabend.

Weiter kommen regelmässig meine Tochter mit Kind, meine Schwiegermutter und die Exfreundin meines Sohnes mit Kind zu uns. Auch das gibt meinem Alltag eine Struktur. Klar ist es mir manchmal zu viel, dann lasse ich mal aus. Aber eigentlich passt es gut.

Auch Achtsamkeitsübungen mache ich einigermassen regelmässig. Die Struktur der Studie hat mir sehr geholfen. Jetzt will ich mir selber eine finden.

Täglich schreibe ich auch, fast täglich... :) - auch strukturierte Schreibübungen! (merke ich gerade.)

Ja, das sind so meine Strukturen. Eigentlich sind alle ziemlich automatisiert, aber nicht einengend. Wenn's mal nicht passt, dann lasse ich es aus.
Wenn ich mit einem Kind in der Schule ein Problem löse oder auch zu Hause mit jemanden, entwickle ich in der Regel eine Struktur, eine Art Plan halt... -
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

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Tafel
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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von Tafel » Montag 3. Juli 2017, 21:29

In den Zeiten, in denen ich arbeitsfähig bin, ist die Tagesstruktur durch die Arbeitszeit vorgegeben. Außerdem war für das Leben mit meinen Kinder ein Mindestmaß an Struktur unerlässlich. Im Augenblick schaffe ich es an den Tagen, an denen meine Tochter bei mir ist, morgens früh aufzustehen, um sie zu wecken und mit ihr gemeinsam zu frühstücken. Das sind zwischen 4 und 7 Tage in der Woche. Ich habe aktuell zwei bis dreimal in der Woche Krankengymnastik und bin dadurch quasi gezwungen aus dem Haus zu gehen. Schwierig sind die Wochenenden oder Ferienzeiten, die meine Tochter bei ihrem Vater verbringt. Ich schaffe es, einkaufen zu gehen, weil es sein muss. Wir hätten ja sonst am Montag nichts zum Frühstücken. Ich könnte das umgehen, in dem ich die mittlerweile weit verbreiteten Lieferdienste nutze. Aber das will ich nicht, damit ich auf jeden Fall wenigstens einmal aus dem Haus gehe.

Mit Wochenplänen tue ich mich auch schwer. In der Tagesklinik wurde damit gearbeitet, es war eine wöchentliche Hausaufgaben einen zu schreiben und dafür zu sorgen, die darin festgehaltenen Vorhaben auch umzusetzen. Wichtig war dabei, dass die gesetzten Ziele nicht zu groß waren. In der Zeit in der Tagesklinik hat es relativ gut geklappt, danach nicht mehr so. Aktuell fahre ich etwas besser, wenn ich mir einen Plan für den nächsten Tag mache. Ich möchte gerne dahin kommen, dass Wochenpläne funktionieren und sich irgendwann verselbstständlichen. Ich möchte gerne bestimmte Aufgaben wie Putzen und Aufräumen in einem festen Rhythmus erledigen, damit das tatsächlich auch kontinuierlich passiert. Ich weiß noch nicht genau, ob es bei mir neben Struktur nicht auch um Disziplin geht. Ich frage mich, ob diese Strukturlosigkeit auch ein Mechanismus ist, nicht gut für mich sorgen zu können oder zu dürfen. Ich verbringe zu viel Zeit am Computer, statt mich um die Dinge zu kümmern, die zwar teilweise mühsam sind, mir aber letztendlich gut tun.

Ich glaube, dass mir mehr Struktur mehr Klarheit, Stabilität und Sicherheit geben könnte. Ich könnte mir damit selber so etwas wie Verlässlichkeit erschaffen. Ich muss da auch genauer schauen, wie ich das hinkriegen kann, ohne dass ich dann wieder in den Selbstbeschimpfungsmodus falle, wenn manche Dinge nicht geklappt haben.

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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von gospelsinger » Mittwoch 5. Juli 2017, 19:52

Struktur geben mir meine vergleichsweise noch jungen Kinder. Ich stehe morgens auf, sorge für Frühstück. Auch Mittagessen muss gekocht werden, der ein oder andere regelmäßige Taxidienst ist auch notwendig. Da bin ich gewissermaßen dankbar, dass ich mir nicht erlaube, wegen Depressionen im Bett zu bleiben.

Allerdings hat das sicher auch seinen Anteil daran, dass ich immer wieder meine Grenzen überschreite. Und es sind auch Täterintrusionen, die nicht zulassen, empfindlich zu sein, die mir vorwerfen, sich anzustellen.

Und donnerstags mein Chor. Obwohl selbst der in letzter Zeit zurückstehen muss, weil ich die Energie dafür nicht mehr aufbringe. Hätte ich mir nach 12 Jahren Zugehörigkeit auch nicht träumen lassen. War er doch stets mein Antidepressivum und mein Lebenselixier...
Die Gedanken sind es, die das Leben des Menschen glücklich oder unglücklich machen.
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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von Fanti » Mittwoch 5. Juli 2017, 19:56

Struktur...kann man das essen? :think:

Als ich noch arbeiten war, war das natürlich meine Struktur.
Als ich die RPK angefangen habe, war es das.
Solange es von außen eine Struktur gibt, durch Termine und sowas, klappt es.
Wenn ich aber arbeitsunfähig zu Hause rumsitze, dann sind es nur noch wenige Dinge, die ich regelmäßig tue.
Bett frisch beziehen immer sonntags zum Beispiel. Termine, die ich habe, wahrnehmen.
Ja, ds war´s auch schon fast.
Es ist auch nicht so, dass ich so gar nichts mit mir anzufangen wüsste. Ich habe nur keine Energie, weil es sich so sinnlos anfühlt. Und weil dann die Depression, die ich überfunktioniere, rauskommt.

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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von Pitti » Mittwoch 19. Juli 2017, 22:02

Meinen Beitrag findet ihr hier:
viewtopic.php?f=199&t=1750
:)
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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von Pitti » Donnerstag 20. Juli 2017, 15:45

@Trazor: Klingt sehr traurig, was du schreibst. Ich möchte mal nachfragen: Kennst du die Möglichkeit, über die Pflegekasse eine Haushaltshilfe zu bekommen? Das wurde schon vor längerem auf psychische Krankheiten ausgeweitet.
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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von sahara » Dienstag 25. Juli 2017, 15:28

Das Thema ist zwar schon "vorbei" ,aber erscheint mir sehr wichtig. Als Pitti es aufgestellt hat, habe ich dazu etwas geschrieben und dann wurde es wieder gelöscht,
Also nun der zweite Versuch zum Thema Struktur.

Früher war das Leben durch die Arbeit und die Familie strukturiert. Automatisiert aufstehen , arbeiten, Haushalt , Essen kochen....
Das war einmal....
Nun ist es an mir für eine eigene Struktur zu sorgen und sie zu leben. Ich übe daran. Gerade die Mahlzeiten sind schwierig, plötzlich ist nachmittag , wenn ich alleine bin. Essen... Nebensache
Der Hund bietet mir ganz wichtige Struktur. Er muss raus!!! Also morgens aufstehen und raus mit dem Hund. Das ist ein tägliches Ritual. Die anderen Dinge, wie einkaufen oder Haushalt sauber machen, die muss ich mir immer vornehmen und planen. Nach Möglichkeit sichtbar hinhängen, dann wird es nicht wieder vergessen. In der Regel schaffe ich nicht so viel. ein Termin pro Tag... Plus Hund , der wird immer versorgt. Es gab zwar Zeiten, wo selbst das nicht mehr möglich war, aber die sind schon eine Weile her, zum Glück und auf Holz klopf.

Also Struktur ist wichtig. Putzen hilft mir zum Beispiel, wenn es im Innen total chaotisch ist. Dann benötige ich äußere Klarheit und Sauberkeit.
Jemand, der noch im Alltagsleben mit geregelter Arbeit und Familie steht, kann sich kaum vorstellen, wie schwer es ist , den tag zu leben ohne feste Rituale. Oft sagen sie, "du hast es gut; kannst doch machen , was du willst...."
Dabei ist es sauschwer.....

Aber ich übe weiter
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

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Re: Struktur #27/2017

Beitrag von Edam » Dienstag 25. Juli 2017, 18:43

Das kann ich gut nachvollziehen, obwohl ich nun schon solange krank und zu Hause bin, klingelt bei mir immer noch der Wecker morgends gegen 9 Uhr!(außer Sonntag, da ist mein offizieller fauler Tag wie für die meisten)

Ich glaube ohne diese tägliche Struktur würde ich sonst nicht aus dem Bett kommen, hin und wieder hilft auch der Wecker nicht...des weiteren hilft mir auch morgends direkt duschen, um überhaupt in die Gänge zu kommen.Und ja, ich brauche auch ne halbwegs ordentliche Wohnung, sonst versinke ich im Chaos, weil sich mein inneres Chaos sonst zu sehr nach außen noch ausbreitet.

Weißte fauna, viele denken einfach, daß man es ja gut hat zu Hause zu sein, aber die meisten übersehen halt auch, daß es uns meistends nicht gut geht und wir von der schönen freien Zeit nicht viel haben.Das Ganze eben nicht mit Urlaub zu vergleichen ist...ich beneide eher diejenigen, die arbeiten können.(sicher auch nicht immer leicht, aber bei weitem besser als schwer krank zu sein und nichts machen zu können, egal ob man will oder nicht)

Würde ich hier jeden Tag völlig relaxt rumsitzen und so...wäre mir ziemlich schnell langweilig!(eher kommt vieles zu kurz, weils mir oft richtig schlecht geht)
...out of order...

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