37//*Rückschläge

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Im Wochenthema wird jede Woche ein bestimmtes Thema besprochen.
sahara
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37//*Rückschläge

Beitrag von sahara » Montag 11. September 2017, 08:58

*Rückschläge - Wie gehe ich damit um? Welche Gefühle und Gedanken habe ich dann? Und wie schaffe es dann doch immer wieder, weiter zu machen?

Ich habe mal einen Themenvorschlag für diese Woche hier kopiert und denke, dass es sich lohnt sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Allen einen gute Woche
LG Sahara
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

Fanti
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Re: 37//*Rückschläge

Beitrag von Fanti » Montag 11. September 2017, 09:21

Hach ja, mein Thema...
Für mich sind Rückschläge so normal geworden, als wären sie mein einziger Lebensinhalt. Von klein auf legte mir alles und jeder Steine in den Weg, wo es nur geht. Sei es Familie, in der Schule oder die Behörden. Auch der Tod meiner Bezugsperson ist für mich ein Rückschlag.
Ich finde es traurig, aber mein Leben bestand schon immer aus Rückschlägen. Sobald ich was erreiche, kommt das Leben und haut mir eine in die Fresse. Noch 60 Jahre so leben zu müssen ist nicht wirklich ein "Yeah" - Gefühl...

Aber mich gibt's ja noch, daher glaube ich, damit umgehen zu können. Oder nee...es ist aushalten. Pures Aushalten. Nicht verarbeitet, sondern einfach nur ausgehalten. Jetzt mit meiner Therapeutin, die viel Mitgefühl zeigt, kann ich Rückschläge auch vor anderen betrauern und bejammern. Ich finde, das tut gut und gibt neue Kraft. Mal richtig bemitleidet zu werden gibt mir das Gefühl, dass ich auch mal "klein" sein darf.
Was mir wehtut, sind die Sätze á la "Nach Regen kommt Sonne, uns geht's allen mal schlecht". Da fühle ich mich bagatellisiert, nicht in meinem Leid gesehen und als wäre es superselbstverständlich, dass ich das alles irgendwie hinkriege.
Ein ehrliches "Ganz ehrlich, an Ihrer Stelle hätte ich mir schon drei mal das Leben genommen" meiner Therapeutin tut mir immer gut. Wertschätzung drückt das aus, Mitgefühl und ein "ich werde gesehen".

Wenn was passiert, was so nicht hätte passieren sollen, dann weine ich zu Hause manchmal. Es wirft mich total ins Loch, wenn die Behörden Mist bauen, die Therapeutin krank ist und wir daher einen Konflikt nicht klären können oder wenn ein Paket nicht den richtigen Inhalt hat. Mein erster Gedanke ist "War ja klar, immer ich". Bei meinem Zahnarzt ist mittlerweile so viel an den Zähnen gemacht worden, wenn er sagt "Na vielleicht haben wir Glück", dann weiß ich, dass die nächste Wurzelbehandlung schon wartet. Ich bin gewiss nicht pessimistisch, sonst gäbe es mich nicht mehr. Aber ich finde, wer immer nur Scheiße erlebt, darf sich auch scheiße fühlen ;)
Aber letztendlich regle ich doch alles, setze mich meistens auch durch und stehe für mich ein. Kopf in den Sand ist wichtig...und dann geht's mit erhobenen Hauptes weiter. Ich glaube, so ticke ich.

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Edam
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Re: 37//*Rückschläge

Beitrag von Edam » Montag 11. September 2017, 10:05

Die mich hier schon länger kennen wissen ja, daß mein größter und schlimmster Rückschlag die jahrelange Retraumatisierung durch inkompetente Therapeuten gewesen ist.(es gibt soviele Therapeuten, die von komplexen Traumageschichten null Ahnung haben und ich bin an genau diese auch immer geraten)
Danach ging wirklich gar nichts mehr und habe ich mir jahrelang gewünscht, daß ich den Zustand erreiche bevor ich massiv retraumatisiert wurde.(für mich wirklich unbegreiflich und schwer zu akzeptieren, daß dies noch im therapeutischen Rahmen statt fand und etwas, andem ich fast zebrochen wäre...)

Heute kann ich mit Rückschlägen umgehen, auch wenn es immer ne schwierige Situation ist...aber ich habe in meiner jetzigen Traumatherapie erfahren, daß diese einfach zum Leben dazu gehören (mit oder ohne PTBS) und auch wieder vorbei gehen; des weiteren auch Chancen sein können alte Geschichten nochmal aufzuarbeiten, weil diese hierbei immer wieder auch angetriggert werden, wenn sie noch nicht richtig aufgearbeitet wurden.Und ja, danach habe ich dann wirklich oft sogar einen Besserungsschub gehabt.(aber leicht ist das sicher nicht)
...out of order...

sahara
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Re: 37//*Rückschläge

Beitrag von sahara » Montag 11. September 2017, 11:59

Das Thema ist sicher eins, was alle im Leben betrifft. Rückschläge gehören zum Leben wie die Luft zum atmen.
Bei manchem hat man von außen gesehen das Gefühl , dass " die " es leicht haben im Leben. Alles so klappt. Manchmal kommt dann auch Neid auf.
Wahrscheinlich ist das nicht so. Jeder hat ja damit zu kämpfen.
Wie langweilig wäre es, wenn alles klappen würde? Wie wenig Emotion wäre dann bei einem Erfolg spürbar?
Nun, mit dem Spüren ist das so eine Sache. Da fehlt es mir oft. Also positive Dinge fühlen, Erleichterung.
Das negative ist oft schneller, darauf sind wir gut getrimmt. Auf das , was nicht klappt.
Ich habe gelernt, dass ich oft zu hohe Anforderungen an mich selbst habe, also der Rückschlag vorprogrammiert ist. Ich schaffe es häufig nicht, mich an die jetzige Situation und den Zustand anzupassen. Also mit dem Kopf durch die Wand zu wollen und alles andere in mir zu ignorieren. Das ergebnis ist ein Rückschlag. Aber ist es das wirklich? Ist es nicht ein weiterer Versuch am Leben teilzuhaben.
Ich kann nicht mehr an der bezahlten Arbeitswelt teilhaben. Das ist schwer. Ich versuche etwas zu tun, was mein Hirn fordert. Manchmal habe ich Angst zu verblöden. Also bin ich vor zwei Jahren mal in einen Englischkurs für Frauen gegangen.
Das Ergebnis war nicht so toll. Ein herber Rückschlag. Nach kurzer Zeit konnte ich mich nicht mehr konzentrieren und bin dissoziiert. Auch nicht mehr rationell und adäquat antworten, so dass es mir da dann peinlich war. Einmal bin ich nicht mehr anwesend zu Hause angekommen, dem Funktionsanteil sei dank und es endete in einem svV . Alles andere als ein Erfolg.
Ich musste den Kurs abbrechen. Erstens ,weil es mir peinlich war, dass andere mich so sehen. Aber hauptsächlich wegen der Verantwortung, die ich habe, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin.
Lange habe ich mich dafür geschämt. Mich klein geredet und runter geputzt. Die inneren Motzer waren sehr laut.
Aber ich habe es probiert und eben gemerkt , dass es noch nicht geht. Das anderthalb Stunden zu lange sind. Ohne Pause geht es nicht. Zumindest damals.
50 min schaffe ich mittlerweile zum Beispiel beim Sport.
Ich bin nicht gerecht zu mir und verurteile mich leicht. Das geht schnell. Die Perspektive zu wechseln und zu schauen, was ist schon wieder besser, was kann ich mittlerweile für mich auf der Habenseite verbuchen, fällt oft noch schwer. Aber es gelingt mit Hilfe der erlernten Skills häufiger.
Ende September starte ich einen neuen Versuch an der Volkshochschule. Sprachen interessieren mich schon und innere Anteile, die früher durch lernen und Leistung Freude hatten, meldeten sich in der Therapie . Daran kann man anknüpfen.
Der Kurs fand aber an einem Mittwoch statt, und da habe ich Therapie. Ein anderer Kurs zum Thema Zeichnen und Perspektiven war auch sehr interessant. Und fast ausgebucht. Den habe ich nun gebucht. Der finanzielle Aufwand ist dort auch geringer und nicht so ein herber Verlust, wie bei den doch teureren Sprachkursen. Ich hoffe, dass aus dem Rückschlag von damals nun ein kleiner Erfolg werden kann.
Nicht aufgeben und nach einiger Zeit des "Wunden leckens" weiter gehen. Immer wieder eine Devise für mich.
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

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fauna
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Re: 37//*Rückschläge

Beitrag von fauna » Montag 11. September 2017, 12:45

Rückschläge - Wie gehe ich damit um? Welche Gefühle und Gedanken habe ich dann? Und wie schaffe es dann doch immer wieder, weiter zu machen?
Rückschläge, boah.... die sind wahrscheinlich nicht zu zählen, unzählbar.... :D

Naja, jetzt lässt sich für mich gut lachen. Meine Stabilität wird immer konsolidierter, Traumakonfrontation ist sozusagen kein Thema mehr und viele alte Geschichten gehören zu meiner Biographie. - Wenn ich mich tiefer einlassen auf diese Verletzungen, kommen die Gefühle noch hoch, aber doch dosiert und händelbar und ziemlich akzeptiert.

Das Ganze ist "ohne Gewähr" aber mit einer für mich guten Sicherheit so.

Setze ich mir neue Themen oder Ziele im Leben, kommen oft noch alte Geschichten, die andocken und die Glaubenssätze, die ich da gelernt habe über mich und die Welt sind hinderlich. Der Schlaf kann schlechter werden, ich werde gereizt oder bekomme Ängste oder Depris.

ABER mittlerweile sehe ich dies nicht mal mehr als Rückschläge. - Rückschläge habe/hatte ich nur dort, wo ich mich getäuscht hatte über meine Stabilität und Konsolidierung.

Meine erste über 7jährige Therapie war auch ein riesiges Fiasko, das mich in einen ganz schlimmen Zustand warf. Nachher entdeckte ich andere Methoden und Wege und Tools und Menschen ... :) .... und ich machte neue Erfahrungen.

Die haben mich dann täuschen lassen über die Länge des Weges, über die Tiefe der Verletzungen über Quantität und Qualität meiner inneren Themen, die ich zu bearbeiten habe/hatte. - Es gibt/gab dabei Lebensthemen bei denen ich mich spiralförmig vorwärts arbeite und andere, die relativ rasch erledigt waren.
Lange Zeit habe ich, wenn ein neuer Aspekt eines Lebensthemas hochkam oder ein neues kleineres Thema, gemeint das seien Rückfälle. Zurückgefallen bin ich "nur" in alte Muster, die halt Überlebensstrategien waren und ganz schnell wieder gewählt worden sind. Es war der Schutzmechanismus vor Schmerz und Angst und anderen Gefühlen, die ich schier nicht aushielt. Ich hatte sogar Todesangst vor dem Fühlen gewisser Gefühle.

Aber mittlerweile sehe ich "Rückfälle" gelassen. Es sind keine, sondern Helfer, die mir zeigen, wo noch etwas zu bearbeiten ist oder wo es Zeit für mich ist, das neue gewünschte Verhalten zu üben. - Manchmal komme ich schnell wieder raus (meistens mittlerweile). Manchmal dauert es länger. Manchmal brauche ich auch eine Pause.

Achtsamkeit ist für mich auch bei "Rückfällen" DER hilfreiche Weg, freundliche Selbstzuwendung und Geduld / Vertrauen, dass ich unterwegs bin.
In manchen solcher "Heilungskrisen" schaue ich zurück - Jahre, Monate, Wochen, Tage ... und erkenne, dass ich viele Schritte gemacht habe. Auch das ist eine wichtige Hilfe für mich.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

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