46// Einsamkeit

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Im Wochenthema wird jede Woche ein bestimmtes Thema besprochen.
sahara
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46// Einsamkeit

Beitrag von sahara » Dienstag 14. November 2017, 14:43

Hallo alle zusammen,
diese Woche möchte ich das Thema "Einsamkeit" in den Raum stellen

Einsam sind viele Menschen, auch ohne PTBS. Aber Menschen wie wir werden meiner Meinung nach schneller aus dem sozialen Gefüge geschoben.
Partnerschaft ist schwer und harte Arbeit.
Wie geht ihr mit der Einsamkeit um?
Fühlt ihr euch überhaupt einsam?
Woran merkt man/ihr das?
Was macht ihr dann? Verkriechen oder erst recht Kontakte suchen
Fühlt ihr euch trotz Menschen um euch herum einsam? Nicht als Teil des Ganzen?
Wie schafft man es aus der zum Teil selbst gewählten Isolation wieder ins Leben? Also Teilhabe am Leben gestalten...
Bin gespannt auf eure Gedanken

LG Sahara
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

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Edam
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Re: 46// Einsamkeit

Beitrag von Edam » Dienstag 14. November 2017, 14:54

Hm, ich bin schon viele Jahre einsam...neue Freunde sind einfach nicht hinzugekommen und an einer festen Partnerschaft mangelt es genauso.

Zum größten Teil liegt es daran, daß ich durch die komplexe PTBS so schwer krank und auch erwerbsunfähig geworden bin und dadurch gerät man ziemlich ins Abseits und lernt kaum noch Menschen kennen; weder Jobmäßig, noch im Privaten.Des weiteren gings mir auch viel zu oft zu schlecht, um neue Kontakte aufrecht zu erhalten und war meine Lebenssituation einfach zu fern von anderen, die mitten im Leben stehen.(für andere einfach zu schwer aushaltbar)
Ich habe da viele Jahre darunter gelitten, aber mich ein wenig mit abgefunden, weil die endlose Suche irgendwann nur noch frustrierend war und ich für mich selbst einfach alle Kraft gebraucht habe.Des weiteren habe ich so auch genug Ruhe mich auf mich selbst zu konzentrieren und das genieße ich gerade das erste Mal im Leben!(es ging bis dato ja immer nur um die anderen, jetzt habe ich mal den Kopf frei für mich allein ohne irgendwen mit einbeziehen zu müssen...kann ja auch befreiend sein)

Aber oft ist es dennoch sehr schwer so allein, aber erzwingen läßt sich ja auch nichts.(ich versuch gerade die positiven Seiten zu sehen)
Zuletzt geändert von Edam am Sonntag 19. November 2017, 12:21, insgesamt 1-mal geändert.
...out of order...

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fauna
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Re: 46// Einsamkeit

Beitrag von fauna » Sonntag 19. November 2017, 08:43

Ich bin oft allein, aber NICHT einsam.
Ich bin manchmal allein und EINSAM.

Ich bin manchmal unter Menschen und fühle mich dazugehörend.
Ich bin manchmal unter Menschen fühle mich einsam und getrennt.

Es ist sehr unterschiedlich.

Einsam fühle ich mich, wenn ich irgendwie ohne echten Zugang zu mir selbst bin. Dann krieg ich keinen Kontakt zu anderen Menschen und wenn ich alleine bin fühle ich mich einsam und verlassen.

Gerade heute Morgen fühle ich mich allein, weil ich spüre, ich kriege zwar Hilfe in meiner Krise, ABER ich selber muss die Veränderungen durchleben, an denen ich gerade bin. Niemand kann mir meine Angst und Unsicherheit abnehmen.

Für mich wird Alleinsein zur Einsamkeit, wenn ich mich mit ihr identifiziere und mich nicht mehr daran erinnere, dass ich auch die Fähigkeit habe mit anderen Menschen verbunden zu sein. Verbunden kann ich mich fühlen egal, ob unter Menschen oder allein. Aber ich kann mich auch einsam fühlen egal, ob unter Menschen oder allein. Es kommt darauf an in welchem "inneren Prozess oder Zustand" ich mich befinde.

Habe ich gerade KEINEN Zugang zu meiner Fähigkeit, mich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen, fühle ich tiefen Schmerz und bin sehr blockiert. Anerkennen und Akzeptieren, dass es JETZT so ist, ist der erste Schritt, bevor ich mich daran erinnere, dass es vorbei gehen wird und dass ich wieder Verbundenheit erleben werde.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

Vertrauen ist eine Entscheidung!

Ich bin ich - und ich mag mich! :)

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Re: 46// Einsamkeit

Beitrag von Tafel » Sonntag 19. November 2017, 09:16

Liebe fauna,

ich finde mich sehr wieder in dem, was du schreibst.

Mir fehlen gerade selber etwas die Worte, um zu schreiben, was Einsamkeit für mich bedeutet. Ich versuche es trotzdem mal. Wenn Einsamkeit bedeutet, dass es kaum Sozialkontakte gibt, dann bin ich nicht einsam. Schon allein durch meine Kinder, die derzeit alle drei mehr oder weniger wieder bei mir wohnen, und meine Arbeit bin ich ich nicht einsam.

Einsamkeit ist für mich eher das Gefühl, so viel alleine stemmen zu müssen. Vielleicht würde es sich anders anfühlen, wenn ich aus dem Müssen ein Wollen machen könnte. Mich allein gelassen fühlen, keine Hilfe bekommen, rührt an tiefer Verzweiflung, Angst und Schmerz. Heute bekomme ich aber Hilfe, wenn ich darum bitte (manchmal sogar einfach so, ohne das ich frage). Und doch hätte ich hin und wieder jemand, der mich hält, wenn diese ganzen Gefühle mal wieder so riesig werden, dass ich Angst bekomme, davon erdrückt zu werden. Das kann meine Therapeutin nicht leisten. Ich muss für mein Empfinden zu viel mit mir alleine ausmachen und entscheiden.

Und es gibt einen Teil in mir, dem sind soziale Kontakte so anstrengend, dass er froh ist, wenn er alleine sein darf. Mir kommt das Bild einer Glasglocke in den Sinn, die abschirmt und schützt. Hintergrund ist sicherlich Angst, verletzt, zurückgewiesen, enttäuscht zu werden, was auch immer.

Ich bin mir meiner selbst nicht sicher und das fühlt sich einsam an.

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Re: 46// Einsamkeit

Beitrag von gospelsinger » Sonntag 19. November 2017, 14:58

So, nun versuche auch ich zu formulieren, wie es mir damit geht. Es ist schwer in Worte zu fassen. Ich fühle mich oft einsam, wenn ich unter Menschen bin, die ich nur oberflächlich oder gar nicht kenne. Ich schalte dann alle Nervenbahnen und Empfindungen aus . Aus Unbehagen, Angst, Scham über mich selbst. Ich gehe solchen Ansammlungen gerne aus dem Weg und wirke in der Situation glaube ich auch abweisend. So gehe ich z. B. nicht auf Geburtstagsfeiern.

Zu hause vermisse ich allzu oft das Alleinsein. Meine Familie um mich herum, für die ich immer und in jeder Situation und bei jedem Gedanken der Ansprechpartner, Zuhörer und Ratgeber sein muss, ist für mich oft anstrengend. Nein ich bin nicht undankbar und ich weiß, dass so manche(r) in der Beziehung gerne meine Sorgen hätte. Aber, wenn ich schlechte Tage habe, brauche ich Ruhe. Die ich zu hause nicht finden kann.
Die Gedanken sind es, die das Leben des Menschen glücklich oder unglücklich machen.
Marc Aurel

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Re: 46// Einsamkeit

Beitrag von Pitti » Sonntag 19. November 2017, 17:41

Ja, es stimmt. Einsamkeit und Alleinsein ist ein himmelweiter Unterschied. Ich kann gut alleinsein, weiß viel mit mir anzufangen und kann meine Tage füllen. Aber Einsamkeit ist ein Teil meines Traumas. Als Kind war ich entsetzlich einsam, wurde absichtlich isoliert und hatte niemanden, besonders als kleines Kind, als ich noch nicht in der Lage war, mir auf eigene Faust Gesellschaft zu suchen. Die Einsamkeit im Herzen trägt man in den Alltag hinein. Oft ernährt die Einsamkeit die Einsamkeit. Und diesen Kreislauf zu durchbrechen, was viel Vertrauen in sich selbst und in das Leben braucht, ist eine große Aufgabe.
Yesterday's a closing door.
You don't live there anymore.
Say goodbye to where you've been.
And tell your heart to beat again.

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fauna
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Re: 46// Einsamkeit

Beitrag von fauna » Montag 20. November 2017, 11:44

Heute gelesen:
Einsam ist nicht der, der allein ist;
einsam ist der, der die Nähe zu sich selber verloren hat.
Safi Nidiaye, Meditationen für den Morgen, für den Abend


Ich kann sagen, dass das so für mich stimmt: Ich habe zu gewissen Seiten oder Teilen von mir die Nähe verloren und das macht diese Teile oder Seiten von mir verletzt, einsam, wütend, traurig etc.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

Vertrauen ist eine Entscheidung!

Ich bin ich - und ich mag mich! :)

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Re: 46// Einsamkeit

Beitrag von sahara » Montag 20. November 2017, 12:21

Einsamkeit ist auch für mich ein Thema. Einsam und nicht zugehörig empfinde ich mich häufig im Zusammentreffen mit Menschen, die sich sehr über ihre Arbeit definieren und nur davon erzählen. Da spüre ich große Verluste, auch wenn ich weiß, dass es auch nur ein Teil von eigener Identität ist und arbeiten gehen nicht alles ist.
Ich bin da ungerecht, auch mit meinem Leistungs-ich. Es hatte viele Jahre gut im Außen funktioniert.
Durch die Reizüberflutung mit dann dissoziativer Symptomatik stehe ich oft einsam neben mir und bin nicht mehr Teil des ganzen.
In der Natur bin ich gerne und spüre trotz Alleinseins keine Einsamkeit. Im Wald laufen oder mit dem Hund, da bin ich nicht allein.
Mit Menschen ist es anders.
Ein Teil möchte alleine sein, weil es ihm sicherer erscheint. Kontrollierbarer. Der ist dann ganz zufrieden.
Ich bin aber viele Teile. Diese Ambivalenz ist schwer händelbar. Alles zu befriedigen geht nicht. So kalkuliere ich das Gefühl der Einsamkeit mit ein, wenn ich mich unter Menschen begebe und eben diese Andersartigkeit so wahrnehme. Stelle mich dem und versuche trotzdem anwesend zu bleiben und vielleicht fühlt es sich dann gar nicht so einsam mehr an.
In der Paarbeziehung ist man ja rationell zu zweit oder in der Familie sogar noch mehr. Auch da kann man /ich einsam sein, weil eben die Glaswand zwischen uns ist. Da spüre ich schon ab und an Zweisamkeit. ein großer Fortschritt.
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

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