39//Abschiedsrituale

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Im Wochenthema wird jede Woche ein bestimmtes Thema besprochen.
sahara
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39//Abschiedsrituale

Beitrag von sahara » Montag 25. September 2017, 13:49

*Abschiedsrituale
Ob nun Beendigung eines Klinikaufenthalts, das Gehenlassen der Therapeutin oder Tod von geliebten Menschen....was für Rituale helfen? Wie gelingt es, auch dem alten Ich, den Tätern oder der Familie "Tschüss" zu sagen? Was hilft dem inneren Kind, welche Rituale gab es bisher?

Für die neue Woche habe ich mal das Thema "rausgepickt". Abschiede gibt es viele in unserem Leben.
Von unseren Kindern, wenn sie aus dem Haus gehen.....Von Freunden, die plötzlich keine Freunde mehr sind.... vom Berufsleben, wenn die Symptomatik keine Erwerbsfähigkeit mehr zulässt....

Wo eine Tür zugeht, öffnet sich eine neue... heißt es. Wie kann man die zeit überbrücken, etwas loslassen.....

Freu mich auf eure Ideen und Erlebnisse....
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

sahara
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Re: 39//Abschiedsrituale

Beitrag von sahara » Dienstag 26. September 2017, 15:41

ich beschäftige mich gerade mit einem Loslassen der retraumatisierenden ersten Klinikerfahrung. Ich möchte die Verantwortung an die richtige Stelle geben, an den Therapeuten. Die immer wiederkehrenden negativen Gedankenspiralen blockieren unnötig Energie. Ich weiß , dass es damals eine fatale Entscheidung war, die sich im Nachhinein als sehr beeinträchtigend bemerkbar gemacht hat.
So habe ich versucht mit einem Ritual von dem Ereignis mich zu verabschieden, Trauer und Tränen kamen dabei. Ich habe einen Brief an den Therapeuten geschrieben, all meine Gedanken dazu verfasst und einfließen lassen. Gefühle waren beim Lesen plötzlich spürbar.
Traurigkeit und Wut kamen und waren sehr angemessen. Lange habe ich versucht, dass alles mit dem Verstand zu klären, aber die immer wieder aufbrechenden Gedanken zu dem Thema zeigten, dass es noch nicht vorbei ist für mein Innen. Ich werde den Brief nicht abschicken oder es öffentlich machen. Es war für mich eine Selbstreflektion. Damit die eigene Unfähigkeit und Schuldzuweisungen aufhören, die im Innen oftmals immer noch sehr laut sind.
Etwas hat sich da getan, es ist ruhiger und vielleicht auch angekommen, dass es nicht unsere Schuld war.
Habe den Mut zu leben, denn sterben kann jeder (Frida Kahlo)

Fanti

Re: 39//Abschiedsrituale

Beitrag von Fanti » Dienstag 26. September 2017, 18:31

Abschied....müsste mein dritter Vorname sein.
Ich verabschiede mich dauernd, ohne dafür bereit zu sein.
Aber darum geht´s ja nicht...*seufz*

Mit meiner ersten Therapeutin aus der Diakonie war ich spazieren. Mein Bus kam nicht, und so kam sie mit ihren Hunden und wir liefen am Wasser entlang. Sie schenkte mir einen Holzengel und einen Stein, und ich schenkte ihr selbstgemachte Therapiekarten. Ich habe das heute noch im Schrank stehen und denke gerne daran zurück.

....Faden verloren. Muss erstmal aufhören, sorry.

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Edam
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Re: 39//Abschiedsrituale

Beitrag von Edam » Dienstag 26. September 2017, 18:35

Liebe sahara,

das freut mich wirklich sehr...ich habe ja ähnliches erlebt und weiß wie sehr einen das zurückwerfen kann und wieviel auch dadurch zusätzlich und unnötig kaputt gehen kann, wenn es in einem eigentlich geschützten Rahmen passiert.

Mir hat geholfen, daß meine jetzige Therapeutin das nie in Frage gestellt hat und leider auch weiß, daß sowas viel zu oft passiert und nicht tragbar ist.Des weiteren habe ich meine Wut auch bei einem von den Therapeuten sehr deutlich als Schreiben rausgelassen...nicht schön, aber hilfreich.Und habe ich durch einen kürzlich geteilten link hier auch erfahren, daß es leider ganz vielen Leuten so ergeht und begriffen, daß es nicht an mir lag.(ich habe mir selbst soviele Jahre vorgeworfen, daß ich den falschen Therapeuten vertraut habe, ich konnte es aber damals gar nicht besser wissen, wir als Betroffene können ja nur den Fachleuten vertrauen und wenn die versagen, dann sind wir hilflos verloren...)

Ich bin froh, daß ich die Kurve nochmal bekommen habe, da ich fast dran zerbochen wäre...mein Leben geht weiter, aber trotz Aufarbeitung mit ganz viel Verlust deswegen und sowas braucht viel Zeit, um irgendwie auszuheilen, wenn es das überhaupt je ganz kann.(sowas darf einfach nicht passieren, aber es passiert leider dennoch und wir hatten einfach nur verdammt viel Pech zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein)

Alles Gute wünsch

(Übrig. würde heute einer von denen ankommen und sich wirklich ernsthaft entschuldigen, ich würde das trotz allem sogar annehmen, weil verzeihen sehr oft viel positives entfachen kann...aber darauf kann ich wohl lange warten.)
...out of order...

Lisi
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Re: 39//Abschiedsrituale

Beitrag von Lisi » Donnerstag 28. September 2017, 07:47

Abschiede sind etwas sehr schwieriges für mich. Es gibt wenig Möglichkeiten, damit umzugehen. "Rituale" in dem Sinne gibt es nicht.
Die Erwachsene "dreht sich um und geht", verliert sich in hastigen Aktivitäten. Nur keinen Schmerz fühlen müssen.
Die inneren Kleinen weinen und sind untröstlich.
Den (vorübergehenden?) Abschied von der Erwerbstätigkeit habe ich nach zweieinhalb Jahren immer noch nicht verkraftet. Der Job fehlt mir!
Gerade scheint es so, das ich mich von einer Illusion meines Lebens verabschieden müsste.

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Tafel
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Re: 39//Abschiedsrituale

Beitrag von Tafel » Samstag 30. September 2017, 13:02

Abschiede fallen mir auch sehr schwer. Wenn ich mich nach einem Besuch von sehr guten Freunden verabschiede, die nicht in meiner Stadt wohnen, dann geht das in der Regel nicht ohne Tränen. Wenn ich weggehe, weil ich dort nicht mehr sein will, dann ist das auch eher heimlich, still und leise.

Die Trennung vom Ex war allerdings nicht mit einfach weggehen möglich. Da habe ich schriftlich klar benannt, warum ich nicht mehr zusammenbleiben will. Das Gespräch zu diesem Brief fand auf meine Initiative statt, vermutlich hatte ich mir erhofft, dass ich dann gesehen werde. Dem war leider nicht so.

Bei der ersten Therapeutin war der Abschied nicht so schwer, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade mein erstes Kind bekommen hatte und mich darauf konzentrieren konnte, gut für es zu sorgen.

Bei mir rühren Abschiede sehr stark an Verlassenheit. Manchmal kann dann auch bei meiner Therapeutin die letzte Stunde vor der langen Sommerpause schwierig werden. Früher hatte ich meine Gefühle stärker unter Kontrolle, heute fange ich ganz schnell an zu weinen oder rede mit zittriger Stimme.

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fauna
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Re: 39//Abschiedsrituale

Beitrag von fauna » Sonntag 15. Oktober 2017, 08:50

Je besser es mir geht, desto einfacher kann ich mich mit Abschieden versöhnen:

Ich gestehe mir Trauer zu, auch Wehmut oder andere Gefühle. Dabei kommt aber oft auch spontan hoch, wie viel Schönes ich erleben durfte und wie viel Schönes mir noch unbekannt in der Zukunft verborgen ist.

Früher waren Abschiede mit Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit verbunden. Ja, es ging mir sehr schlecht.

Ich weiss aber, dass es Abschiede geben wird oder geben könnte, die mir sehr zu schaffen machen werden: Pensionierung, Tod, Sterben - eigenes oder das von meinem Partner, von Menschen, die mir nahe stehen etc. - Das ist der Preis von Beziehungen, die tragen und die bereichernd sind. Früher habe ich mich geschützt, in dem ich mich nicht eingelassen habe. Jetzt lasse ich mich viel mehr ein und habe auch viel mehr Beziehungen, unter anderem zu meiner Katze, die alt ist... - Ja - und alles, was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. - Das meiste ist ein Geschenk und wenn ich es wertschätze, während ich es erlebe, geht es mir besser beim Abschied. - Und auch den Abschied versuche ich möglichst achtsam zu erleben.

Die Begleitung meiner Mutter in ihrer letzten Lebenszeit und während ihres Sterbens war sehr bereichernd. Wenn ich das aufschreibe, kommt eine Wärme in mein Herz, die mir gut tut. -

Alles, was ich mit einem Menschen erleben durfte, kann ich weitergeben ist ein Geschenk. Was nicht schön ist, kann ich loslassen. - Es braucht aber Zeit, manchmal viel Zeit (wenn ich an die wirklich ganz schlimmen Dinge in meinem Leben denke) und viel Achtsamkeit.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

Vertrauen ist eine Entscheidung!

Ich bin ich - und ich mag mich! :)

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fauna
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Re: 39//Abschiedsrituale

Beitrag von fauna » Sonntag 22. Oktober 2017, 10:23

In der eben besuchten Weiterbildung ist es auch um Abschied und Übergänge gegangen.

Dabei habe ich etwas für mich sehr Wichtiges gelernt:
- Es ist für mich sehr wichtig, möglichst vieles gut zu Ende zu führen ("Ende gut, alles gut" - "Ende schlecht, alles schlecht").
- Es gibt sehr schöne Dinge in meinem Leben, die ich nicht wirklich losgelassen habe und dich mich deshalb neue Erfahrungen immer mit diesen Highlights vergleichen liessen. So habe ich nachher subjektiv vieles als schlecht oder nicht gut erlebt, das ich nur mit "moments of excellents" verglichen habe, mit denen alles einfach schlecht abgeschnitten hat
- Ich habe ein Muster, Abschied zu nehmen, weil ich "nicht mehr kann". - Dieses Muster kann und möchte ich durchbrechen, vor allem bei der Arbeit. Ich möchte an der jetzigen Stelle positiv aufhören, egal, wann das sein wird
Dieses Muster habe ich auch beim Abschied aus meinem Elternhaus gelebt. Beim Ausziehen meiner Kinder konnte ich es ändern. - :)
Oft lebe ich aber dieses Muster noch beim Übergang von Ferien in die Arbeitszeit.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

Vertrauen ist eine Entscheidung!

Ich bin ich - und ich mag mich! :)

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