40// Therapieerfolge?

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Im Wochenthema wird jede Woche ein bestimmtes Thema besprochen.
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fauna
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Re: 40// Therapieerfolge?

Beitrag von fauna » Sonntag 22. Oktober 2017, 09:50

Liebe Tafel

Danke fürs Nachfragen
Tafel hat geschrieben:
Sonntag 22. Oktober 2017, 09:24
Einerseits schwingt darin für mich mit, dass einige ihre Suizidalität zu wichtig nehmen, andererseits andere Therapieerfolge zu wenig schätzen.
Ich habe beides nicht gemeint.
Nein, ich war eigentlich vor allem überrascht über mich selber, wie weit weg diese Zeit, die ich auch sehr lange durchlebt habe, für mich ist. Sie ist mir nicht mehr in den Sinn gekommen, so weit weg ist dieses Thema für mich .... - Ok. manchmal habe ich keine Lust, so zu leben. Aber das ist für mich etwas ganz anderes als akute Suizidgefährdung.
Deshalb die Formulierung "wenn ich das so lese". Es war eher für mich selber gemeint, dass ich selber diese grosse innere Distanz zum Thema Suizid fühle und die grosse persönliche Überraschung, dass das, was mich früher bedroht hatte, wirklich kein Thema mehr ist, so wenig, dass es mir nicht mal mehr in den Sinn kommt.

Aus der Rückschau auf meinen mittlerweile doch schon ziemlich langen Weg, habe ich übrigens auch gemerkt, dass es immer Entscheidungen waren, die mich weiter gehen liessen und die mich vor dem Suizid schützten.

Vielleicht schimmerte auch meine eigene Irritation durch, weil ich es nicht als Therapieerfolg sehe, dass ich mich nicht umgebracht habe. Therapie war für ich mehr Folge dieses Entscheides, mich in verschiedensten Situationen nicht umzubringen, und meiner Entscheidung, mir ein lebenswertes Leben zu entwickeln. Ich brauchte einiges an professioneller Unterstützung und Begleitung auf meinem Weg, klar.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

Vertrauen ist eine Entscheidung!

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fauna
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Re: 40// Therapieerfolge?

Beitrag von fauna » Sonntag 22. Oktober 2017, 19:44

Nachtrag:
starke Triggerwarnung: Text mit Trigger trotzdem anzeigen!
Ja, und bevor ich so richtig in der Therapie innerlich ... und dann auch äusserlich ... zu arbeiten begann, eigentlich damals, als ich mich gegen Suizid entschieden habe, habe ich mir die Erlaubnis gegeben, dass ich mir das Leben nehmen darf, falls sich trotz allen Bemühungen und nach echtem engagiertem Lernen, meine Verzweiflung und mein inneres Elend etc. nicht verändern. - Das war für mich in den schlimmsten Zeiten der Therapie immer eine Beruhigung. Dadurch, dass ich mir ernsthaft die Erlaubnis gab, falls es nichts anders gibt, um aus dem abgrundtiefen Leid zu kommen, wurde ich frei für Schritte in die "innere Gesundung".
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

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Tafel
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Re: 40// Therapieerfolge?

Beitrag von Tafel » Sonntag 22. Oktober 2017, 21:42

Liebe fauna,

danke, dass du auf meine Frage geantwortet hast. Ich kann mir auch vorstellen, dass das Thema Suizidalität bedeutungslos werden kann, wenn es weit genug zurück liegt und andere Veränderungen bedeutungsvoller werden, die zu einem stabilen und insgesamt positiveren Lebensgefühl führen. Da bin ich noch nicht, weil aktuell immer noch zu schnell zu viele Dinge passieren, die mich etwas aus der Bahn werfen.
Therapie war für ich mehr Folge dieses Entscheides, mich in verschiedensten Situationen nicht umzubringen, und meiner Entscheidung, mir ein lebenswertes Leben zu entwickeln
Interessante Sichtweise, vielleicht entwickelt sich die mit einem ausreichend großen Abstand. Bei mir sehe ich es etwas anders, in einer konkreten Situation hat es viel therapeutische Unterstützung gebraucht, dass ich am Leben bleibe. Im Laufe meines therapeutischen Prozesses ist irgendwann klar geworden, dass ich grundsätzlich leben will. Es gibt bestimmte Gefühlsketten, die durch die Summe der Gefühle oder die Kombination kritisch werden können, weil dann etwas in mir in Hoffnungslosigkeit rutscht. Seit ich das weiß und mir immer wieder bewusst mache, dass es "nur" Gefühle sind, ist es besser.

Zu dem versteckten Beitrag kann ich sagen, dass ich das ähnlich handhabe bzw. gehandhabt habe.

LG Tafel

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fauna
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Re: 40// Therapieerfolge?

Beitrag von fauna » Montag 23. Oktober 2017, 21:24

Liebe Tafel
Auch dir herzlichen Dank zurück für unseren Austausch. Ich schätze dein direktes Ansprechen deiner Irritation. Erstens wächst durch diese Offenheit mein Vertrauen und zweitens werde ich dadurch zur Reflexion angeregt. Und ich erlebe deine Antwort auch als sehr wertschätzend.
Tafel hat geschrieben:
Sonntag 22. Oktober 2017, 21:42
Ich kann mir auch vorstellen, dass das Thema Suizidalität bedeutungslos werden kann, wenn es weit genug zurück liegt und andere Veränderungen bedeutungsvoller werden, die zu einem stabilen und insgesamt positiveren Lebensgefühl führen. Da bin ich noch nicht, weil aktuell immer noch zu schnell zu viele Dinge passieren, die mich etwas aus der Bahn werfen.
Ja, es geht mir oft so. Doch es gibt sie noch - diese anderen Zeiten, in denen ich gerne tot wäre. Mir selber das Leben nehmen möchte ich nicht mehr. Ab und zu erlebe ich Selbsthass und den Wunsch, mich zu verletzen. Aber das Umsetzen ist keine ernsthafte Frage. Da bin ich mir immer ganz sicher, dass ich das sehr, sehr schade finden würde. - Das Leben ist schön! - Im Kopf weiss ich, dass es sogar dann schön ist, wenn ich es nicht merke und leide.

Angeregt durch deine Antwort habe ich mir überlegt, was denn hinter meinem - nicht mehr häufigen - Wunsch tot zu sein, steckt, welches Bedürfnis halt. Noch während ich das schreibe, spüre ich, dass dies eine Sackgasse ist. Ich spüre, dass es wichtiger ist, das Gefühl zu fühlen und mich zu fragen, was mir jetzt gut tun würde. Die eingeschliffene und eingegrabene Gewohnheit, alles dazu zu nutzen, dass ich keine schlechten Gefühle fühlen muss oder dass ich "gut genug" werde, greift immer wieder blitzschnell.

Dieses Gefühl, "nicht gut genug" zu sein, niemals zu genügen, ist sehr schmerzhaft. Das kennt wohl jeder Mensch. Es gehört zu jedem Menschenleben... - Mittlerweile weiss ich das. - Wenigstens im Kopf.
Mittlerweile kommen aber auch neue Situationen in mein Bewusstsein, in denen noch immer auch die mentale Überzeugung da ist, keinen Schimmer von Kompetenz zu haben.
Was du in der Blitzlichtrunde geschrieben hast, dass du weisst, dass die Gefühle nicht die Wahrheit über dich sind, hilft mir auch sehr oft. Heute war ich aber sehr überrascht, dass da wirklich die Überzeugung da war, tatsächlich inkompetent zu sein...

Jetzt erkenne ich, dass ich doch etwas Distanz gehabt haben muss, ohne dass sie mir bewusst war, denn wie hätte ich sonst überrascht darüber sein können? -

***

Das Thema "Therapieerfolge" geht mir immer noch nach. Es beschäftigt mich. Was bedeutet für euch das Wort "Therapieerfolg"? - Wie erlebt ihr
das? - Als eigenen Erfolg? Als Erfolg eurer therapeutischen Fachperson? Oder als Erfolg der Zusammenarbeit von euch beiden als Team?

Was bedeutet für euch Erfolg? - Könnt ihr Erfolg als eigene Leistung anerkennen? - Oder habt ihr - wie ich selber - die so extrem lästige Gewohnheit jede Selbstwirksamkeit oder jeden Erfolg abzutun - als .... - .... nichts, worauf ihr stolz sein könnt, dürft, wollt?
Mit dieser Gewohnheit habe ich mir selber sehr perfekt das Leben schwer gemacht. -

Das Wichtigste (die Umsetzung) geschieht zwischen den Sitzungen... - Da bin ich mir sicher. Deshalb ist es auch mein persönlicher Erfolg. Nur, dass da halt auch ein guter Trainier gebraucht wird, um so viel zu lernen... *ächz - stöhn - japps - jaul - und freu* :)

Ich möchte mir das Abwerten und Tilgen von Erfolgs und Stolz auf mich selber definitiv abgewöhnen oder umlernen.

Liebe Grüsse
Fauna
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Re: 40// Therapieerfolge?

Beitrag von Tafel » Montag 23. Oktober 2017, 22:29

Liebe fauna,

für mich ist Kompetenz bzw. auch Inkompetenz ein Thema, das viel - zu viel - Raum einnimmt. Ich merke, dass ich gerne an den Punkt kommen möchte, mich inkompetent fühlen zu dürfen, ohne mich deswegen zu verdammen, wenn ich auch tatsächlich inkompetent bin. Und ich möchte stärker meine Kompetenz anerkennen und schätzen.

Zum Therapieerfolg: Ich sehe das, was ich erreicht habe, in erster Linie als meinen Erfolg. Ich war und bin dabei immer wieder auf die Unterstützung von Therapeut*innen angewiesen, aber die Meilensteine habe tatsächlich ich selber alleine gefunden und auch der Antrieb, die besonders garstigen Wege zu gehen, kam aus mir. Ich merke gerade, dass das Zusammenfügen von bestimmten emotionalen Puzzle-Teilen meine Stärke war und, wie du auch schreibst, zwischen Therapiesitzungen stattfand/-findet (meistens jedenfalls). Das ist trotz allem Schmerz mit positiven Gefühlen verbunden.

Liebe Grüße

Tafel

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Re: 40// Therapieerfolge?

Beitrag von fauna » Dienstag 24. Oktober 2017, 17:22

Liebe Tafel

Ich wünsche dir ganz fest, dass du das erreichst:
Tafel hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 22:29
Ich merke, dass ich gerne an den Punkt kommen möchte, mich inkompetent fühlen zu dürfen, ohne mich deswegen zu verdammen, wenn ich auch tatsächlich inkompetent bin. Und ich möchte stärker meine Kompetenz anerkennen und schätzen.
Wenn du zurück schaust - vier oder fünf Jahre vielleicht, gab irgendwelche Schritte, die du gemacht hast in diese Richtung?
Gab es Situationen, in denen es dir schon (ansatzweise) gelungen ist?
Kennst du jemanden, dem du es abschauen könntest?

Hmm... selber gehe ich gerade auch wieder durch ein solches Loch. Ich switche oft zwischen einem grossen Gefühl, kompetent zu sein und dem schlimmen Gefühl, eine völlige Nuss zu sein. Beides stimmt nicht.
Dann macht es auch für mich einen Unterschied, in welchem Lebensbereich ich gerade bin:
Bei der Arbeit möchte ich wirklich sehr gern ein stabiles Gefühl von Kompetenz haben.
Dann gibt es aber auch Bereiche, in denen ich gut etwas nicht können kann: ich kann mir gut etwas am PC von meiner Tochter oder meinem Sohn erklären lassen. Es macht mir nichts aus, keinen Platten am Fahrrad reparieren zu können. Es hat bei mir sehr mit der Wertehaltung zu tun.

Es kann aber auch gut sein, dass ich einfach zu wenig Anerkennung kriege oder auch echte Rückmeldung im Beruf. Wenn es dann eine Rückmeldung gibt, geht es um den Unterrichtsbesucht mit Feedback vom Schulleiter und der Behörde.... - das ist nicht das Aufbauende, das ich mir wünsche.

Aber auch die Kollegin, mit der ich am intensivsten zusammenarbeiten muss, macht immer Pokerface. Keine Ahnung, wie sie es findet, wenn ich am Unterrichten bin. - Das finde ich sehr schwierig.
Zum Therapieerfolg: Ich sehe das, was ich erreicht habe, in erster Linie als meinen Erfolg. Ich war und bin dabei immer wieder auf die Unterstützung von Therapeut*innen angewiesen, aber die Meilensteine habe tatsächlich ich selber alleine gefunden und auch der Antrieb, die besonders garstigen Wege zu gehen, kam aus mir. Ich merke gerade, dass das Zusammenfügen von bestimmten emotionalen Puzzle-Teilen meine Stärke war und, wie du auch schreibst, zwischen Therapiesitzungen stattfand/-findet (meistens jedenfalls). Das ist trotz allem Schmerz mit positiven Gefühlen verbunden.
Das geht mir sehr ähnlich.

Liebe Grüsse
Fauna
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