Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

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Im Wochenthema wird jede Woche ein bestimmtes Thema besprochen.
Trazor
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Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von Trazor » Dienstag 9. Januar 2018, 10:56

Hallo,
Ich schlage ein Thema vor, ich hoffe das ist ok.
Wie geht ihr mit Emotionen um die ihr für euch als schwierig erlebt?
Wie könnt ihr sie abschwächen? Oder haltet ihr sie lieber aus?
Wie schafft ihr es euer Umfeld nicht damit zu belasten?
Wie fühlen sich die Emotionen für euch an? Und welche sind schwierig?

Würde mich über Antworten freuen,
LG Trazor

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Edam
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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von Edam » Dienstag 9. Januar 2018, 14:00

Ich bin so ein Mensch, der nach außen eher ruhig wirkt, aber innerlich oft tausend Tode stirbt und es muß schon viel passieren, daß ich laut werde oder eben völlig am Rad drehe.

Meist mache ich vieles erstmal mit mir aus, weil ich oft zu überfordert bin, um noch einen klaren Gedanken hinzubekommen, wenn es innerlich immer mehr kippt.(ich denke, daß ich zwischendurch PTBS bedingt nicht leicht bin, da viele Triggerpunkte, Unsicherheiten, Ängste usw. mich zu schnell völlig aus den Konzept bringen und im Inneren ein Gefühlschaos ausbrechen läßt, daß ich wenn einmal ausgebrochen nicht so schnell wieder runterfahren kann und indem Fall oft feste Strukturen/Abläufe brauche)

Habe ich die Möglichkeiten mich zu beruhigen, kann ich durchaus auch Dinge anprechen und klären...dafür brauche ich aber stille Momente und Ruhe, sprich Auszeiten.(dann schaffe ich es auch genug anzuwenden, um mich wieder runter zufahren wie eben nach Innen beruhigen und den Kopf mit einzuschalten)

Das klappt immer besser, aber sicherlich nicht immer.(vor allem Trigger, die ganz unerwartet im Alltag leider auch viel zu oft vorkommen, machen es oft echt schwer, auf die kann man sich nicht vorbereiten und alles meiden geht ja auch nicht)
...out of order...

Dreg
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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von Dreg » Mittwoch 10. Januar 2018, 04:52

Wut und Hass.Ich habe wirklich viel probiert.Meditation oder Achtsamkeit hat leider nichts gebracht.
Wenn Wut hochgekommen ist, hat sich bei mir schon ein Automatismus entwickelt....es entstanden Selbstgespräche....
die waren zum Teil so heftig, dass sogar Nachbarn sich Sorgen machten....
Was für eine Möglichkeit hat man noch um Gefühle nicht aushalten zu müssen ?
Ich habe gute Erfahrungen mit Ablenkungen gemacht youtube Vids schauen, Games zocken.
Alkohol hat auch geholfen und Medikamente.
Tja...und ich habe natürlich mein soziales Umfeld auf ein Minimum reduziert....
und ich versuch Triggern aus dem Weg zu gehen.

Trazor
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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von Trazor » Mittwoch 10. Januar 2018, 08:11

Hallo,
Für mich ein schwieriges Thema, ich habs vorgeschlagen weil es immer wieder Thema in Einzel- und Gruppentherapie ist bei mir.

Also bei mir ist das so, ich habe bestimmte Emotionen lange abgespalten. Traurigkeit und Wut vor allem. Das bedeutete: ich nahm Emotionen gar nicht wahr bevor sie sehr stark wurden und die Kontrolle übernommen haben. Später habe ich einige Jahre (um diesen Kontrollverlust und die schwierigen Gefühle zu umgehen) Substanzen konsumiert. Seit etwas über einem Jahr bin ich clean, die Emotionen kommen langsam wieder. Nur das Rüstzeug fehlt. Selbstberuhigung habe ich nie wirklich gelernt weil ich immer damit beschäftigt war alles weg zu drängen.

Die Traurigkeit war von einem auf den anderen Tag wieder da. Diese Phasen die ich als Kind schon kannte mit stundenlang weinen und das nicht abstellen können auch. Das hat einige Monate gedauert. Heute weine ich jeden zweiten oder dritten Tag aber nur noch etwa eine halbe Stunde und nichtmehr jeden Tag. Wenn ich traurig bin sehe ich alles durch die Brille der Traurigkeit. Ein kleiner Kommentar, etwas was mich erinnert, viel kann dahin führen.

Wutanfälle haben mich seit meiner Pubertät immer mal wieder begleitet, seit ich die Traurigkeit zulasse werden sie etwas weniger, das finde ich gut. Habe mich immer sehr abgewertet wenn ich wütend auf andere geworden bin egal ob mit Grund oder ohne. Bin ich wütend denke ich ich bin im Recht, andere sind gegen mich, andere wollen dass es mir schlecht geht. Und ich kann erst wenn die Wut nachlässt erkennen dass es die Menschem sind die mir am wichtigsten sind, die für mich da sind und mir helfen möchten. Dann kann ich mich entschuldigen...

Selbstberuhigung ist immer noch so ein Thema.. ich versuche diese körperlichen Erdungsübungen anzuwenden die mir gezeigt wurden. Aber sie haben meist keinen Effekt und wann die Emotion da ist und wann sie geht erlebe ich eher als zufällig.

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fauna
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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von fauna » Mittwoch 10. Januar 2018, 08:20

Umgang mit schwierigen Emotionen... - Manchmal verstehe ich bei mir und anderen darunter, dass sie möglichst rasch weg sein sollten und bessere Gefühle da sein sollen.

Meiner Meinung nach genügt, sie zu fühlen und zu "beoachten". - Unter Beobachten verstehe ich, dass ich mir der Gefühle bewusst bin, aber nicht hinein flutsche. - Wenn mir das gelingt, sind die schlimmsten Gefühle rasch vorübergezogen. - Es tut eine Weile weh, aber sie gehen vorbei. Atmen gehört dazu, auch Raum zu haben und Achtung vor den Gefühlen. - Eigentlich ist das Selbst-Achtung.

Das zu schreiben geht ganz locker. Das Leben im Alltag ist aber einiges schwieriger für mich. Ich habe dann Angst vor den Gefühlen und auch vor der Veränderung, die damit verbunden ist, wenn ich die Gefühle fühle und weiter ziehen lasse. Dann bin ich ja bei mir und verhalte mich anders und damit reagieren die Menschen um mich herum auch anders... - oft genervt, irritiert, manchmal aber auch sehr offen und bestärkend.

Schwierige Gefühle sind für alle Menschen eine grosse Herausforderung und oft ein Problem. Wegdrücken und Identifikation ist wohl normal - auf jeden Fall mit den individuellen, schwierigen Gefühlen. Das muss ich mir immer wieder bewusst machen, sonst nehme ich alles auf mich und glaube "schuld" zu sein.

Am meisten hilft mir - sehr geduldig - mir selber und meinen schwierigen Gefühlen mein "Herz zu öffnen", sie fühlend zu beobachten und mich immer wieder und nochmals und immer wieder ... daran zu erinnern, dass wir alle von Grund auf wertvoll sind und verbunden mit dem Grossen und Ganzen... - Das gibt mir Mut.

Aber es fällt mir mehr als nur schwer. Manchmal verzweifle ich schier daran.
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

Vertrauen ist eine Entscheidung!

Ich bin ich - und ich mag mich! :)

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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von Trazor » Mittwoch 10. Januar 2018, 08:40

Guten Morgen Fauna,
Finde ich sehr schön was du schreibst. Dieses abwarten und beobachten ohne darauf zu reagieren. Sehr schöner Gedanke. Wie hast du das erreicht?

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Edam
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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von Edam » Mittwoch 10. Januar 2018, 10:38

Ich kann mich fauna auch nur anschließen...anzunehmen, daß die schwierigen Gefühle gerade da sind, ist ein erster und wichtiger Schritt.Danach sollte man versuchen sich klar zu werden, daß es einen Grund/Auslöser gab und sie auch wieder weggehen und man eben nicht mehr wie früher hilflos darin gefangen ist.(auch wenn es sich noch so anfühlt)

Und letztendlich werden sie auf Dauer nur besser, wenn man sie annimmt und in sich reinhorscht, warum das gerade so schwer ist...oft finden sich dann kopfmäßig Erklärungen, die helfen die Gefühle zu verstehen und auszuhalten. ;)

Zumindest hat mir das geholfen und ist Hauptbestandteil meiner Traumatherapie und egal, was ich fühle, alles darf sein...wichtig war aber immer, daß ich mich davon nicht überrennen lasse, sondern verständnisvoll dem hinwende.
...out of order...

Trazor
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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von Trazor » Mittwoch 10. Januar 2018, 11:08

Das ist schön und gibt Hoffnung. Meine Therapeutin sagt immer wenn ich Gefühle bemerke oder sie merkt dass ich traurig bin, dass ich die zulassen soll. Aber das sorgt dann eher dafür dass ich lange weine bei ihr und das ist mir am Ende unangenehm. Aber virlleicht komme ich ja so irgendwann an den Punkt sie zu bemerken ohne danach zu handeln das fände ich toll.

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fauna
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Re: Umgang mit schwierigen Emotionen 2/2018

Beitrag von fauna » Mittwoch 10. Januar 2018, 13:35

Liebe Trazor
Trazor hat geschrieben:
Mittwoch 10. Januar 2018, 08:40
Guten Morgen Fauna,
Finde ich sehr schön was du schreibst. Dieses abwarten und beobachten ohne darauf zu reagieren. Sehr schöner Gedanke. Wie hast du das erreicht?
Ich habe das nicht erreicht. Zeitweise gelingt es mir, gerade jetzt nicht oder nur zu einem kleinen Teil.

Geholfen haben mir zwei Online-Programme mit Anleitung zu Achtsamkeitsübungen und eine Traumatherapie mit EFT (Klopfakkupressur), viel Literatur, die ich immer versucht habe anzuwenden (auf jeden Fall das, was mich angesprochen hat). Dabei ist war die Herzensarbeit nach Safi Nydiyae sehr wichtig (obwohl sie mir als Mensch nicht besonders sympathisch ist, spricht mich die Methode an).

Aber eben... gerade jetzt übe ich und fühle mich depressiv - eigentlich eine weitere Gelegenheit, das zu üben... 8-)

Herzliche Grüsse
Fauna
Vielleicht kann ich zu etwas Neuem beitragen. Vielleicht kann ich mehr Energie aufbringen und mehr teilhaben. Vielleicht besitze ich mehr Kraft, als ich mir vorstelle.

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Ich bin ich - und ich mag mich! :)

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